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08.07. Île d’Ouessant, Lampaul – Île Molène

Die Île d’Ouessant wird uns in Erinnerung bleiben. Sie ist eine tolle, ein bisschen wilde Insel. Es gibt so viel, was wir noch nicht entdeckt haben. Bestimmt werden wir zurückkehren, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Aber ein Highlight liegt noch vor uns. Der wahrscheinlich bekannteste Leuchtturm der Welt. Spätestens wenn man „Leuchtturm“ mit „Sturm“ kombiniert, hat wohl jeder das Bild mit dem Leuchtturmwärter, der aus der Tür schaut, während sich von hinten eine gigantische Welle über den Leuchtturm hermacht, vor Augen. Sein Name ist „Phare de la Jument“ und er steht etwas mehr als eine Meile vor der Südwestspitze von Ouessant. Der berühmte Leuchtturmwärter Theodore Malgorn, der auf dem Bild von Jean Guichard in die Geschichte der Fotografie einging, arbeitet übrigend jetzt im Phare du Creac´h auf Ouessant.

Es gibt eine imaginäre Liste von Orten in meinem Kopf die ich einmal besuchen möchte. Einige habe ich bereits gesehen, wie Spitzbergen, Loch Ness, der Pentland Firth, … viele andere sind will ich noch besuchen und eben auch „La Jument“. Als ich das Bild zum ersten mal vor vielen Jahren auf der auf der Hanseboot sah, war mir klar, dass ich da mal hinwollte. Bald habe ich herausgefunden, wo der Leuchtturm steht. Und dass in dieser Ecke der Welt noch mehr dieser Türme stehen, von denen es ähnlich spektakuläre Bilder gibt. Der „Phare du Chenal Four“, den wir bereits passiert haben und „Ar Men“ sind wohl die bekanntesten davon. Dennoch ist „La Jument“ eben dieser Eine, der für mich besonders ist. Gebaut in einer unglaublichen Leistung auf einem vom Meer überspültem Felsen von 1904 – 1911 ragt er 47,4 Meter aus dem Meer. Wir passieren ihn bei einsetzender Flut dicht bei. In der Strömung wirft er eine richtige Bugwelle auf und es scheint als ob er in Fahrt ist. Obwohl die See ruhig ist und der Wind lediglich mit 2 Bft weht, kann man erkennen, dass er bei schlecht Wetter der vollen Gewalt der Wellen ausgeliefert ist. Unfassbar, dass dieses Bauwerk den Elementen so lange schon trotzt. Er erinnert irgendwie an Sarumans Turm aus dem Herrn der Ringe. Massiver Granit, verkeilt und verkrallt im Fels.

„Nimm das Weitwinkelobjektiv“ rufe ich Elke nach unten hinterher. Sie erscheint natürlich mit dem Zoom. „Den krieg ich da gar nicht drauf“ . „Sag ich doch, wir passieren dicht 😉 “ grinse ich. („natürlich“, ich wollte halt mit allem ausgerüstet sein. Wir würden beim Vorbeifahren ja auch wieder mehr Abstand haben, Kommentar der Fotografin). Ehrfürchtig schauen wir zu dem Turm hoch und schätzen ab wie hoch die Wellen wohl sind, wenn sie sich über dem 47,4 Meter hohen Turm zusammenbrechen. Was mag das für ein Gefühl für die Leuchtturmwärter gewesen sein, oft Tage- und manchmal Wochenlang darin gefangen zu sein, bei jeder Welle das Beben zu spüren, immer in der Ungewissheit ob der Turm hält. Ein Schauder läuft mir über den Rücken. Im Leuchtturmmuseum haben wir in Videosequenzen gesehen, was für ein im wahrsten Sinne der Wortes Drahtseilakt es war, Proviant und Personen überzusetzen.

Wir rauschen mit dem Flutstrom dem nächsten Leuchtturm entgegen, Phare de Kéréon, er markiert die  Nordostecke der „Passage de Fromveur“, übersetzt aus dem Bretonischen etwa „Passage des starken Stroms“- Nomen est Omen. Der Phare de Kereon ist der nächste durch Sturmbilder berühmte Leuchtturm. Eigentlich kann man sagen, dass alles was hier im Wasser steht bei entsprechendem Wetter zu bombastischen Bildern taugt.

Am Kéréon biegen wir nach Osten ab, zur kleinen hübschen Île Molène. Nordöstlich der Insel wollen wir Ankern. Benno steht am Vorschiff und ruft nervös „Flach! Das sind nur noch zwei Meter hier!“ Karte, unter Berücksichtigung der Höhe der Gezeit, Echo- und Handlot sind sich aber einig, es sind 7 Meter. Aber im glasklaren Wasser scheint der Grund zum Anfassen nahe, da hat Benno recht. Im zweiten Versuch bekommen wir den Anker auf einem Sandflecken zu liegen, in den Kelpwäldern würde er nicht halten. Ein Vorteil des klaren Wassers, man sieht von Bord aus gut, wie der Anker liegt und ob er sich eingräbt. Wir machen das Beiboot klar und beginnen mit dem Ausbooten. Einmal um die Insel sollen es vier Kilometer sein. Elke, Rusty und ich folgen dem Fußpfad am Ufer. Tolle kleine Kies- und Sandbuchten mit Blick auf die Île d’Ouessant im Hintergrund und Stromkabbelungen im Vordergrund, was für ein Szenarium! Ich suche mir zwei kleine Steine vom Strand, die ich heute noch als Handschmeichler in meiner Hosentasche habe. Wir halten immer Ausschau nach Robben und Delfinen. Es soll hier eine Gruppe von ca. 35 großen Tümmlern leben und ca. 45 Kegelrobben, aber wir entdecken nichts. – Doch Elke findet eine kleine Kolonie seltener Vögel, entreißt mir die Kamera und verschwindet einen halbe Stunde. Die Ausbeute sind ein paar wirklich gute Bilder.

Nachdem wir im Inseldorf angekommen sind, finden wir die anderen gleich am Hafenimbiss, anscheinend sind sie grade bei „Bierzeit“ eingetroffen. Wir schließen uns an und gönnen uns noch eine große leckere Portion „Frites“. Ulla und Jules berichten, dass sie uns vom etwas höher gelegenen inneren Rundweg gesehen haben, „da wo die Delfine waren“. „Welche Delfine???“  „Na als ihr da am Strand wart, waren doch direkt bei euch die Delfine“. Wir schauen uns ungläubig an, faszinierend was man alles nicht sehen kann…..