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29.06. Tréguier-Roscoff

Mit einsetzender Ebbe laufen wir die Jaudy hinunter zum Felsenmeer an der Küste. Der Wetterbericht verspricht heiter bis wolkiges Wetter bei südlichen Winden 2-3. Vor Plougrescant setzen wir Segel und kommen trotz des wenigen Windes wegen den drei Knoten Ebbstrom, der an der Küste nach Westen setzt, gut voran.

Die Il d´Er liegt noch nicht weit achteraus als wir über Funk eine Securite Meldung erhalten: „Wind shifting Northwest increasing 8 soon“. Aha. Das ist jetzt weniger gut. Wir überprüfen unsere Lage. Eigentlich wollten wir bei dem guten Wetter einen Abstecher zu den „Sept Iles“ machen um dort bei einem kleinen Landgang die Vogelkolonien zu besuchen. Neben vielen Basstölpeln und anderen Seevögeln gibt es dort sogar ein Paar Puffins, die südlichste Kolonie überhaupt. Daran ist jetzt natürlich nicht mehr zu denken. Ein Problem ist auch, dass es vor dem nächsten Hochwasser nur wenig Häfen gibt, die überhaupt angelaufen werden können. Um genau zu sein, gibt es nur einen Hafen, der auch bei NW8 sicher angelaufen werden kann, denn Legerwallsituationen mit tausenden Messerscharfen Felsen sind keine Gute Idee. Also bleibt nur Roscoff übrig. Zunächst laufen wir aber mit dem langsam auffrischendem SW Wind nach Nordwest um soviel Luv wie möglich zu machen und dann, wenn der Wind dreht und zulegt, mit Halbwind Kurs auf Roscoff anliegen zu können.

Die langsam zunehmende Dünung und die halbstündlichen Securite Meldungen über Funk machen uns klar, dass der Nordweststurm sicher kommen wird. Die See läuft bei dieser Windrichtung aus dem Atlantik voll auf die Küste. Wir haben inzwischen die „Sept Iles“ Backbord achteraus gelassen und wenden. Grade als wir die Schoten auf Backbord dicht haben dreht der Wind wie auf Bestellung und nimmt auch gleich zu – nicht wie auf Bestellung, aber angedroht. Noch laufen wir bei NW 6 unter Vollzeug, denn wir wollen so schnell wie möglich Roscoff erreichen bevor der Wind Sturmstärke erreicht. Aber als wir die Felsen von Triagoz erreicht haben, welche jetzt, kurz vor Niedrigwasser noch gut aus dem Meer ragen und die Wellen brechen, nutzen wir die Abdeckung und Binden ein Reff ins Groß und ins Besan. Es weht jetzt mit 7Bft und einige Wellen überschreiten locker die vier Meter. Macht aber nichts, Tordas prescht mit Macht vorwärts, bis zu 10,5 knoten zeigt das GPS mit der Dämpfung von einer Minute (wir haben das GPS so eingestellt, dass es immer die Durchschnittsgeschwindigkeit der letzten Minute anzeigt. Dadurch sind die Werte zwar geringer als in der Momentananzeige, aber auch realistischer… 😉 ). Die Wellen von der Seite werden spielerisch genommen. Das Deck wird zwar gründlich gewaschen aber dank Sprayhood bleibt das Cockpit trocken und die Schiffsbewegungen sind lang und angenehm. Jules steht die ganze Zeit am Ruder und ist glücklich, endlich mal wieder richtiges Segeln 🙂 🙂 🙂

Vor Roscoff in Lee der Ile de Batz nimmt der Seegang schnell ab.  Die Fock bergen wir kurz vor dem Fährhafen und segeln wie immer wenn nur irgend möglich in das Becken um ruhig und geschützt Groß und Besan zu bergen. In der Einfahrt zur nagelneuen Marina kommt uns wieder der Hafenmeister entgegen und weist uns an „Tete Hotel“ also am Kopfschlengel von Ponton H Längsseits zu gehen. Grade als wir anlegen wollen korrigiert er nochmal „I, India!!!“ und noch bevor wir da sind, steht er da um die Leinen anzunehmen 🙂  Quelle Service! Wir machen klar Schiff und essen. Beim Hunde-Abendgang auf dem Hügel oberhalb des Hafens können wir sehen, dass es draußen jetzt richtig kachelt.

Am nächsten Tag ziehen Jenny und Christian los, um Bagette zu besorgen. Nach fast zwei Stunden kommen sie mit Beute zurück. Der Weg in den Ort ist wohl doch etwas weiter. Morgen werden wir lieber beim Hafenmeister Backwaren bestellen.  Nachmittags besuchen wir den Tropischen Garten direkt beim Hafen. Auf dem Aussichtsfelsen beuteln uns die Schauerböen. An Weitersegeln ist nicht zu denken. Wir sind etwas traurig, weil uns Jenny und Christian heute mit der Fähre Richtung Irland verlassen. Wir hoffen, es ist nur ein Abschied auf Zeit und wir können sie bald wieder an Bord begrüßen.

Das Wetter wird besser und wir verholen in den Alten Hafen mitten im „Zentrum“ von Roscoff. Der Hafen ist nur bei Hochwasser zu erreichen, bei Niedrigwasser fällt er 3-5 Meter trocken. Wir waren 2008 bereits hier und wollen uns wieder an die mittlere Hafenmauer legen. Vorsichtig tasten wir uns in den Hafen und gehen längsseits dicht hinter das Ende der Mauer. Gut geschützt setzen wir ca. 2 Stunden später auf und fallen langsam trocken. Elke und ich machen uns sofort ans Reinigen des Unterwasserschiffs. Viel Bewuchs gibt es nicht, aber reichlich noch kleine Seepocken die sich leicht wegbürsten lassen. Anfangs arbeiten wir vom Schlauchboot aus, bald steige ich aber ins inzwischen nur noch kniehohe Wasser. Durch die große Fläche, immerhin ca. 130 Quadratmeter, wird es ganz schön anstrengend, aber rechtzeitig bevor die Flut wieder aufläuft glänzt das Unterwasserschiff wieder wie frisch gemalt 🙂 . Dafür, dass wir schon wieder fast 10 Monate ohne Antifouling segeln, nicht viel Aufwand. Mit Freude stellen wir fest, dass sich die neue Beschichtung von Brantho Korrux gut bewehrt hat.

Nach dem ersten Trockenfallen haben wir die Festmacher und die Sicherungsleine gegen Kippen am Mast so justiert, dass wir fortan keine Leinen mehr fieren bzw. dichtholen müssen, wenn das Wasser fällt oder steigt. Nachts um ca. 02:00 kommen unsere neuen Gäste Nicole und Guido mit dem Taxi vom Flughafen Brest an. Der Flieger hatte in Paris wegen einem aus Sicherheitsgründen geräumten Terminals reichlich Verspätung. Aber jetzt sind sie glücklich an Bord und fallen erst mal in die Koje.

Nicole und Guido sind nicht böse, wenn wir heute nicht auslaufen. der letzte Tag war lang und die Nacht kurz. Wie schon gestern, kommen auch heute alte Fischer und Seeleute vorbei und freuen sich über unseren Besuch in „ihrem Hafen“.  Heute am zweiten Tag begrüßen sie uns schon wie alte Bekannte.  Wir wechseln ein paar Worte und der eine oder andere erzählt aus seinem Seeleben. Anscheinend wurden wir schon beim Einlaufen von den Schippern beobachtet, denn mehrere weisen uns darauf hin, dass wir nicht mittig in der Peilung gefahren sind und ermahnen uns wegen der Felsen beim Auslaufen genau auf die Peilung Ende Mauer / Leuchtturm zu achten. Nachmittags laufen wir einmal quer durchs trocken gefallene Hafenbecken. Ein tolles Gefühl. Weiter vorne an unserer Mauer kommen wir noch mit zwei Briten mit einem kleinen Katamaran ins Gespräch. Ihr eines Ruderblatt ist auf dem ca. 150 Seemeilen langen Törn über den Kanal gebrochen und nun müssen sie erst mal reparieren. Für den kleinen vielleicht 7 Meter langen Kat mit grade mal einer kleinen Schlupfkajüte ein beachtlicher Schlag, denke ich. Sie wollen, wie wir, weiter westwärts und geben uns, da sie die Gegend kennen, ein paar Tipps für schöne Plätze.