{"id":693,"date":"2017-08-09T14:00:01","date_gmt":"2017-08-09T12:00:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tordas.de\/?p=693"},"modified":"2017-09-26T16:05:22","modified_gmt":"2017-09-26T14:05:22","slug":"27-06-ploucrescant","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tordas.de\/?p=693","title":{"rendered":"27.06. L\u00e9zardrieux-Ploucrescant"},"content":{"rendered":"<p>Jogi: Am n\u00e4chsten Mittag verlassen wir mit dem letzten Ebbstrom L\u00e9zardrieux und fahren wieder durch die sch\u00f6ne Ria (durch einen Fluss entstandene Fjordartige Einbuchtung). Da wir wenig Strecke vor uns haben, verzichten wir auf Segel. Das w\u00e4re bei den leichten Winden und den starken Gezeiten sowieso ein ungewisses Unterfangen. Wir biegen gleich Backbord in die n\u00e4chste Bucht, welche bis Treguir schiffbar ist. Unser Ziel ist aber das direkt an der K\u00fcste liegende Plougrescant.<\/p>\n<p>Ich verbrachte dort Ende der 80iger Jahre einige Wochen mit einem zum Wohnmobil ausgebauten M\u00f6belwagen. Die eine H\u00e4lfte der Zeit verbrachte ich an der K\u00fcste oder segelnd mit der Marie Georgette einem Alten Fischerboot, mit dem Pascal Touristen zum &#8222;Peche en Mer&#8220; (Fischen auf dem Meer) spazieren fuhr, w\u00e4hrend Simone und ich allen an Bord nahe brachten, wie ethisch unvertretbar und grausam doch das t\u00f6ten von Tieren und in diesem besonderen Fall Fischen sei. Sozusagen Fischfang und Protestveranstaltung in einem. &#8211; \u00a0Alles an Bord eines 9 &#8211; 10 Meter Segelkutters, eine Szene die gut in dem Dorf von Asterix und Obelix spielen k\u00f6nnte, wobei ich schon damals der festen \u00dcberzeugung war, dass genau jenes Plougrescant der Ort sein muss, der aus dem &#8222;kleinen uns wohlbekannten gallischen Dorf&#8220; hervorging. Didier, der beste Freund von Pascal und immer an seiner Seite, glich Obelix wie ein Ei dem Anderen. Und meine Freundin Simone entfaltete auf die m\u00e4nnliche Bev\u00f6lkerung dieselbe Wirkung wie Falbala im Gallischen Dorf. Jedenfalls scheinen unsere Proteste keine allzu nachhaltige Wirkung gehabt zu haben, die Plakate von &#8222;Pech en Mer&#8220; mit der Marie Georgette h\u00e4ngen auch heute noch in der Region.<\/p>\n<p>Die zweite H\u00e4lfte des Tages verbrachten wir damals im legend\u00e4ren Cafe &#8222;Ar Vag&#8220;, in dem Pascal abends nach dem Fischen bediente und in dem ich die Gallier in den neuesten Drink der Ostgoten eingeweiht habe, den von mir sogenannten &#8222;Kalaschnikow&#8220;. Den richtigen Namen hatte ich nach einer Stunde bereits wieder vergessen, nachdem mir ein Russe in Berlin die Vorz\u00fcge dieses Getr\u00e4nkts in einem Workshop oder besser Drinkshop praktisch er\u00f6rtert hatte. Das Rezept ist einfach. Man nehme ein Glas, schenke dies Randvoll mit Wodka, lege eine halbe Zitronenscheibe darauf die man je zur H\u00e4lfte mit geh\u00e4uft Kaffeepulver und Zucker bestreut. Genossen wird das Getr\u00e4nk, indem man die Zitrone mit Kaffee und Zucker von der Schale abbei\u00dft und alles am St\u00fcck mit dem Wodka runtersp\u00fclt. Im Laufe des Abends verzichtet man dann auf das l\u00e4stige Abbei\u00dfen und schluckt alles zusammen am St\u00fcck runter. Um weiteren Problemen vorzubeugen, sollten die Gl\u00e4ser nicht so so klein gew\u00e4hlt werden, dass man sie aus versehen, zum Beispiel falls man die H\u00e4nde verwechselt oder so, verschlucken k\u00f6nnte. Die Mischung von Zucker, Kaffeepulver, Zitrone und Alkohol l\u00e4sst weichere Drogen wie Ecstasy oder Koks sowie alle Dopingmittel verblassen! Man kann das Zeug stundenlang trinken ohne sich dar\u00fcber klar zu werden, ob man mehr aufgeputscht oder mehr besoffen ist und entwickelt dabei ungeahnte Kr\u00e4fte. Ich bin ziemlich \u00fcberzeugt, dass Miraculix etwas sehr \u00e4hnliches in seinem Kessel zusammengebraut hat, vielleicht mit etwas mehr Mistel. Jedenfalls waren die Wodkavorr\u00e4te im &#8222;Ar Vag&#8220; und bei s\u00e4mtlichen Spirituosengro\u00dfh\u00e4ndlern in der Region recht schnell ersch\u00f6pft und nach gef\u00fchlt einer Woche habe ich einen ganzen Abend damit verbracht, dem v\u00f6llig verzweifelten Wirt Gill klar zumachen, dass man das Rezept ohne Namens\u00e4nderung und mit nur geringer Abweichung der Wirkung auch mit Gin und Whisky zubereiten k\u00f6nne&#8230;zumindest solange bis der Nachschub an Wodka geregelt war. Jedenfalls endete fast jeder Abend in einem rauschenden Fest und ab und zu gab es auch Livemusik dazu. Ich erinnere mich noch an eine irische Band die den Laden fast aus den Angeln hob, wobei alle vier Jungs zusammen mit ihrer Rothaarigen S\u00e4ngerin ungef\u00e4hr so viel Z\u00e4hne hatten das es fast ein komplettes Gebiss ergeben h\u00e4tte. W\u00e4re der namenlose Russe von dem ich das Rezept dieses magische Getr\u00e4nk hatte, das auch irgendwie ganz anders hie\u00df, dort aufgetaucht, man h\u00e4tte ihm sicher ein Denkmal in einen Hinkelstein gemei\u00dfelt und diesen direkt vor dem Ar Vag platziert.<\/p>\n<p>Wir werfen unseren Anker in der gesch\u00fctzten Ria vor Plougrescant und wollen heute Abend an den Ort meines damaligen Wirkens gehen. Jules und Ulla werden zuerst ausgebootet und ich schicke sie mit dem Hinweis &#8220; immer Richtung Kirche laufen, dort ist das Ar Vag und nebenan die Creperie&#8220; auf den Weg. Es folgen Christian und Jenny und die Einr\u00e4der und zum Schluss Elke, Benno die Hunde und ich. Wir tragen das Schlauchboot bis zur Hochwassermarke. Es ist zwar schon zwei Meter nach Niedrigwasser, dennoch m\u00fcssen wir noch acht H\u00f6henmeter steil den Slip hoch. Da Jenny im Christian auf uns gewartet haben ist das zu f\u00fcnft aber nicht so schwer. Vorbei an unz\u00e4hligen Hortensien in allen erdenklichen Farben laufen wir die ca. zwei Kilometer vorbei an der alten Kirche Saint-Gon\u00e9ry mit einem Kirchturm so schief das der Schiefe Turm von Pisa blass vor Neid wird zum Ar Vag. Die Creperie hat leider zu aber im Ar Vag gibt es auch ein paar Leckereien zu Essen. Von Jules und Ulla keine Spur. Nachdem wir die Beiden endlich \u00fcber Handy erreichen erkl\u00e4rt und Jules das sie jetzt gef\u00fchlte zehn Kilometer gelaufen sind keine Ahnung haben wo sie sind keinen Kirchturm sehen und jetzt zur\u00fcckgehen. \ud83d\ude41 \u00a0Wir essen lecker Salat, \u00a0Jenny und Christian die bretonische Spezialit\u00e4t Muscheln. Anschlie\u00dfend gehe ich mit Elke noch f\u00fcr einen Cidre an die Bar. Gill und Pascal sind nicht da aber wir kommen mit einem typischen Bretonen ins Gespr\u00e4ch. Nat\u00fcrlich kennt er Pascal, er sein sein Cousin. Wir reden viel, also eigentlich redet er viel und wir verstehen sogar ab und zu ein wenig. Er ist Lehrer f\u00fcr Mathe und hat mit seiner Nichte einen sch\u00f6nes schwarz wei\u00df Fotoalbum von der St Ives Kathedrale in Treguir gemacht was er und ausf\u00fchrlich pr\u00e4sentiert w\u00e4hrend der Wirt ununterbrochen mit dem Augen rollt weil er die Geschichte wohl jeden Abend h\u00f6rt. Ich Frage nochmal ob er wirklich ein Cousin von Pascal ist und er versucht sich zu erinnern &#8220; ja also meine Gro\u00dfmutter war mit seinem Gro\u00dfvater zusammen in der Grundschule&#8230;ja also, ja ja,&#8220; jetzt sichtlich Stolz und \u00dcberzeugt, &#8222;doch man kann sagen er ist mein Cousin!&#8220;.<\/p>\n<p>Wir h\u00e4tten den Abend gerne dort verbracht aber Jules und Ulla sitzen hungrig am Strand und hoffen das wir bald kommen w\u00e4hrend die M\u00fccken hoffen das wir noch lange brauchen. Auf dem R\u00fcckweg entpuppt sich Christian als ausgezeichneter Stratege indem er eine Flasche Wein aus dem Rucksack zaubert die den R\u00fcckweg deutlich verk\u00fcrzt. Jules und Ulla sind froh uns kommen zu sehen und werden als erstes an Bord gebracht um endlich auch etwas in den Magen zu bekommen. \u00a0So endet unser Abend in Plougrescant.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jogi: Am n\u00e4chsten Mittag verlassen wir mit dem letzten Ebbstrom L\u00e9zardrieux und fahren wieder durch die sch\u00f6ne Ria (durch einen Fluss entstandene Fjordartige Einbuchtung). Da wir wenig Strecke vor uns haben, verzichten wir auf Segel. Das w\u00e4re bei den leichten Winden und den starken Gezeiten sowieso ein ungewisses Unterfangen. 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