{"id":646,"date":"2017-08-01T20:17:47","date_gmt":"2017-08-01T18:17:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tordas.de\/?p=646"},"modified":"2017-09-01T12:20:11","modified_gmt":"2017-09-01T10:20:11","slug":"was-danach-geschah","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tordas.de\/?p=646","title":{"rendered":"was danach geschah"},"content":{"rendered":"<p>15.06.17, Donnerstag, Cherbourg<\/p>\n<p>Elke: Es ist kurz vor 6 Uhr. Ich stehe mit meinem Kaffee an Deck und beobachte etwas wehm\u00fctig die auslaufenden Boote. So ziehen sie dahin. Eines nach dem anderen verl\u00e4sst im Schein der aufgehenden Sonne den Hafen. Wir m\u00fcssen leider bleiben. Wir wollten heute schon weiterziehen, an den Channel Islands vorbei Richtung Bretagne. Christian und Jenny warten ab Morgen dort auf uns. Aber nein, die Maschine wollte nicht so recht. Sie sprang mit M\u00fche an, drehte sofort auf volle Touren, um danach langsam zu ersterben. Gleiches wiederholte sich bei allen weiteren Startversuchen. Kein Diesel? Filter zu? Einspritzd\u00fcse? Unsere Topmechaniker Benno und Jogi machten sich gleich an die Arbeit, um der Ursache auf den Grund zu gehen. In den n\u00e4chsten Stunden folgten diverse Startversuche mit gleichem Ergebnis. Unsere Maja verlie\u00df wegen des anhaltenden L\u00e4rms lieber das Boot. Vielleicht war es beim Nachbarn auf einem kleinen Trimaran mit Bordhund besser auszuhalten? Der war leicht entr\u00fcstet, als Maja anheuerte und wie selbstverst\u00e4ndlich an Bord kletterte. Schlie\u00dflich musste sie dann doch mit dem Schwimmsteg in einiger Entfernung zu unserer Tordas-Reparaturwerksatt vorlieb nehmen. Die Zeit verstrich, aber zu sp\u00e4ter Stunde k\u00fcndigte sich Erfolg in der Sache an und nach erfolgreichem Testlauf der Maschine gab es Grund zur Hoffnung. F\u00fcr uns alle gab es die in der Zwischenzeit zubereiteten ersten Artischocken. Belohnung f\u00fcr arbeitsreiche Stunden.<\/p>\n<p>Jogi: Na toll. Gestern lief die Maschine noch wie ein Uhrwerk und heute morgen das! Nachdem Benno und ich den Regelmechanismus der Einspritzpumpe zerlegt haben, fanden wir auch den Fehler: die Regelstange ist fest. Jedenfalls so fest, dass der Regler sie nicht mehr bewegen kann. Ich versuche sie mit Kriech\u00f6l wieder g\u00e4ngig zu machen, was auch irgendwann von Erfolg gekr\u00f6nt ist. Vermutlich machten Ablagerungen den Mechanismus nach dem Abk\u00fchlen der Maschine schwerg\u00e4ngig.\u00a0Jetzt schnell alles wieder zusammenbauen, noch ein kurzer Probelauf und alles scheint wieder in Ordnung zu sein.<\/p>\n<p>Freitag 16.06 Cherbourg<\/p>\n<p>Elke: Heute morgen 5:30 Uhr dann beim Ablegen erscheinen bei der gesamten Crew erneut Sorgenfalten. Der Scania D8 erzeugt statt leichten Abgasen gewaltige Ru\u00dfwolken. \u201eDas ist ganz normal, der hat ja gestern etwas viel Diesel gesehen, das geht vorbei\u201c so die Worte unserer Motorenspezialisten. Wir fahren vorsichtshalber eine Hafenrunde, um zu sehen, ob sich die Wolke aufl\u00f6st und alles in Ordnung kommt. Und das ist auch gut so, denn es kommt nichts in Ordnung. Die Ru\u00dffahne bleibt und deutlich zu h\u00f6ren ist auch, dass die Maschine unrund l\u00e4uft und holpert. Was hilfts, wir kehren um, machen fest und setzen eine erneute Reparatur an. Als Allererstes aber steht Ausschlafen auf dem Programm. Und damit verbunden die Hoffnung, dass die leichte Verzweiflung, der Urlaub k\u00f6nnte in Cherbourg enden, dann verfliegt und dem Ehrgeiz weicht, unseren Scania wieder flott zu machen.<\/p>\n<p>Jogi: Frust! Die Maschine klingt als ob ein Zylinder Vollgas gibt und die anderen auf Standgas laufen. Anhand der Vibrationen tippe ich auf einen der Mittleren. Wir machen einen kurzen Probelauf, ich l\u00f6se die Einspritzleitung des dritten Zylinders&#8230;.keine Ver\u00e4nderung&#8230; der vierte&#8230;aha jetzt l\u00e4uft sie gut &#8211; zwar nur auf f\u00fcnf Zylindern aber so ruhig, dass man den fehlenden Zylinder gar nicht bemerkt. Da ist etwas im Argen. Der vierte Zylinder bekommt viel zu viel \u00a0Sprit. \u00a0Erst mal ausschlafen -. Aufgrund der Gezeiten kommen wir nicht vor morgen fr\u00fch weiter, da wir die Races of \u00a0Alderney nicht bei Nacht passieren wollen. Und nach dem Fr\u00fchst\u00fcck gehts wieder an die Maschine. Einspritzpumpe ausbauen, zerlegen und Fehler suchen. Ich baue also die Einspritzpumpe aus w\u00e4hrend Benno schon Typenschilder abfotografiert hat und im Netz nach Teilen und Pumpen sucht. Die Ursache wird dann schnell klar, der vierte Kolben der Einspritzpumpe h\u00e4ngt nicht mehr an der Regelstange. Vermutlich hat sich die Verbindung gestern beim g\u00e4ngig machen gel\u00f6st, was immer die genaue Ursache ist, wir beschlie\u00dfen eine neue Pumpe zu besorgen. Benno hat schon zwei Pumpen in den Niederlanden gefunden und wir schicken gleich Anfragen per Mail raus. Jetzt ist es Freitag Nachmittag und vor Montag wird jetzt nichts mehr passieren.<\/p>\n<p>Am Sonntagabend kommen Jenny und Christian nach einem langen Tag in \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln in Cherbourg an. Wir holen sie am Bahnhof ab und freuen uns die Beiden an Bord willkommen zu hei\u00dfen. Tolle Crew!<\/p>\n<p>Am Montag wassern wir das Schlauchboot und Jenny kutschiert Benno und Christian zur Mole, die die Reede einfasst. Sie findet es toll nach den \u00dcbungsfahrten zum Sportbootf\u00fchrerschein endlich mal richtig Gas geben zu d\u00fcrfen \ud83d\ude42 . Wir fahren nachmittags mit den Hunden an den Strand zum Baden.<\/p>\n<p>22.06., Donnerstag<\/p>\n<p>Was inzwischen geschah? Nichts.<\/p>\n<p>Elke: Stimmt nicht ganz. Die genauere Analyse des Defekts hat ergeben, dass die Regelung des vierten Kolbens der Einspritzpumpe hin\u00fcber ist. Das hei\u00dft: die Einspritzpumpe muss ausgetauscht werden. Am Samstag und Sonntag waren wir also mit der H\u00e4ndlersuche und dem Einholen von Angeboten besch\u00e4ftigt. Froh waren wir, dass \u00fcberhaupt solche Pumpen im Netz zu finden waren. Montag haben wir dann noch den hiesigen Bootsh\u00e4ndler aufgesucht. Sp\u00e4ter folgte\u00a0dann leider die Ern\u00fcchterung: nach deren gr\u00fcndlicher und wirklich hilfsbereiter Recherche teilten sie uns mit, dass Scania Cherbourg keine Pumpe liefern kann. Also haben wir bei einem H\u00e4ndler im Internet, der auf unsere Anfrage hin ein wirklich gutes\u00a0Angebot gemacht hat, bestellt. Seither warten wir auf ein Paket&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;. Und das ist mitunter eine ordentliche Geduldsprobe. Mittlerweile haben wir eine Transaktionsnummer zur Sendungsnachverfolgung. Allerdings verliert sich die Spur in Utrecht. Da sitzen wir nun, erkunden die Umgebung und basteln an anderen Dingen, um uns abzulenken.\u00a0Unsere Mitsegler*innen tragen es mit Fassung.<\/p>\n<p>Aber gibt es sch\u00f6ne Ablenkung. Gestern fand hier die F\u00eate de la Musique statt. Ganz Cherbourg, ach was sag ich, ganz Contentan, war auf den Beinen. Life Bands spielten vor fast jeder Kneipe, eine Samba Trommelgruppe mischte ganze Stra\u00dfenz\u00fcge auf und die Technoh\u00fctte mit ihrem eindringlichen WumWum bespielte den Hafen. Unser Favorit war eine Band, bestehend aus M\u00e4nnern und einer Frau\u00a0um\u00a0die 70-80 Jahre alt. Sie spielten die Klassiker der Rockgeschichte mit Bravour rauf und runter. Jogi war dort fast nicht mehr loszueisen. \u00a0(Erg\u00e4nzung Jogi: Elke hat mich irgendwann weggezogen und am n\u00e4chsten morgen berichteten dann Jenny und Christian das die Band noch ein &#8222;ziemlich episches Hey Joe&#8220; mit einem &#8222;ewigen Guitarrensolo&#8220; gespielt hat. Grrrrr! ).<\/p>\n<p>Gut, dass es hier viel zu entdecken gibt.\u00a0Die Geschichte der Stadt zum Beispiel, auf die ich ja noch zur\u00fcckkommen wollte. Auf einer Anh\u00f6he fanden wir die Batterie de Roule vor. Ein H\u00f6hlensystem mit Gesch\u00fctzeinrichtungen, das in den Berg im S\u00fcden der Stadt angelegt worden war, um die strategisch wichtige Stadt mit ihrem Gezeitenunabh\u00e4ngigen Hafen zu sch\u00fctzen. Jogi zog es vor draussen mit den Hunden zu warten. Wir anderen lie\u00dfen uns durch die G\u00e4nge f\u00fchren&#8230;<\/p>\n<p>Unser Guide, ein Mann mit strengen Gesichtsz\u00fcgen und einem frenglisch vom Feinsten, f\u00fchrte uns gut ausger\u00fcstet mit Helm und Helmlampe hinein ins 12 \u00b0C kalte Dunkel. Ein H\u00f6hlensystem mit Gesch\u00fctzstellungen Richtung Hafen und K\u00fcstenmeer er\u00f6ffnet uns eine Idee von der Wehrhaftigkeit gegen\u00fcber Eindringlingen und deutschen Milit\u00e4rs, die diese Anlage w\u00e4hrend de 2ten Weltkrieges genutzt haben. In Seiteng\u00e4ngen befanden sich Holzh\u00fctten mit Versorgung, Aufenthaltsr\u00e4umen, Hospital und F\u00fchrungsb\u00fcro. D-Day oder J-Jour auf franz\u00f6sisch wird hier der Tag zur Befreiung Frankreichs durch die Alliierten genannt. 2,7 Mio Soldaten waren daf\u00fcr rekrutiert worden und knapp 7.000 Schiffe befanden sich im Einsatz, um die Nazis niederzuschlagen. Machen wir uns bewusst, dass wir derzeit in einer sehr gl\u00fccklichen Phase\u00a0leben, die leider zunehmend von Aggression und Intoleranz durchdrungen\u00a0wird. Es ist wohl soweit, wieder f\u00fcr ein friedliches Miteinander zu demonstrieren. Wir, die wir teilen k\u00f6nnen, unvoreingenommen sind und f\u00fcr die Freundschaft wichtiger ist als Macht, haben es in Hand.<\/p>\n<ol start=\"23\">\n<li>Juni, Freitag<\/li>\n<\/ol>\n<p>Endlich ist sie da, die Pumpe! Nachdem Jogi schon vermutete, dass die netten Hafenmeister*innen unser Paket verbummelt haben, &#8211; wir sitzen in der Aufenthaltsecke und bloggen gerade -, kommt ein Transporter vorgefahren, tr\u00e4gt etwas Gro\u00dfes, Schweres ins B\u00fcro. Der Paketbote kommt gar nicht erst dazu, es \u00fcber den Tresen zu reichen. Jogi sprintet gleich hin und nimmt ihm das\u00a0Paket \u00a0direkt\u00a0ab. Mit breitem Grinsen tr\u00e4gt er das gute St\u00fcck, wie eine Troph\u00e4e, zum Schiff. Klar, was nun kam. Da verschwanden die Jungs im Bauch der Tordas und waren nicht mehr gesehen&#8230;.<br \/>\nUnd, unglaublich aber wahr, ausgepackt, eingebaut, fertig. Alles gut eingestellt und der Probelauf war eine Wohltat f\u00fcrs Ohr, klar kommt das Abgas aus dem Auspuff \ud83d\ude42<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15.06.17, Donnerstag, Cherbourg Elke: Es ist kurz vor 6 Uhr. Ich stehe mit meinem Kaffee an Deck und beobachte etwas wehm\u00fctig die auslaufenden Boote. So ziehen sie dahin. Eines nach dem anderen verl\u00e4sst im Schein der aufgehenden Sonne den Hafen. Wir m\u00fcssen leider bleiben. 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